Bruchstück der Vergangenheit - Mariella Maier & Maximilian Greinwald im Quellpark
Das Bruchstück der Vergangenheit einer möglichen Zukunft
Es gab einmal Orte, an denen Herkunft keine Rolle spielte. Die Gemeinschaftsbäder Bad Gasteins waren solche Orte. Räume, in denen sich Adelige und Bürgerliche, Kranke und Gesunde, Fremde und Einheimische im dampfenden Wasser der heißen Quellen begegneten.
Das heiße Wasser schuf eine eigene Gleichheit, die nicht verordnet war, sondern einfach da. Was bedeutet das heute, in einer Zeit, in der wir uns zunehmend in private Welten zurückziehen, in der Individualisierung zur Norm geworden ist und gemeinsame, frei zugängliche Räume rar werden?
Die Gemeinschaftsbäder waren mehr als Kuranlagen. Sie waren soziale Treffpunkte, Orte des zufälligen Gesprächs, des unerwarteten Kontakts. Man spielte Schach, nahm gemeinsam das Frühstück ein, lies vertrocknete Blumen wieder erblühen. Die Wandelhalle, eines der Symbole des Kurorts Bad Gastein und ebenfalls ein Ort des Austausches, wurde 1970 abgerissen.
In einem Waldstück Bad Gasteins liegt seit zwei Jahren ein Bruchstück von ihr – unberührt, an demselben Platz, wo man es fand. Wenn man hinhört erzählt es von einer Vergangenheit. Wildbad Gastein wurde um die heißen Quellen herum aufgebaut. Bad Gastein existiert ihretwegen - heute ist es nicht mehr möglich im historischen Ortskern in Thermalwasser gemeinsam zu baden, gemeinschaftlich vor Wind und Wetter geschützt zu wandeln, am Trinkbrunnen zu verweilen oder sich in einem Lesesalon nieder zu lassen.
Auf ein Bruchstück kann man aufbauen. Man kann es aber auch einfach liegen lassen.
Intervention
Quellpark, Bad Gastein