GASTEIN74 - Installation am Kongressplatz
Wie geht man mit einer Sperrung im Ortszentrum um? Das Forschungsteam Gastein74, bestehend aus Leon Beu, Peter Lechner und Erich André Steiner, musste sich dieser Frage im Frühjahr 2026 stellen. Zu diesem Zeitpunkt wurden Teile des Kongressplatzes für die Öffentlichkeit gesperrt. Grund hierfür ist der schlechte Zustand der Auflager der Waschbeton-Bodenplatten.
Gastein74 beschloss, die Absperrung nicht zu kaschieren, sondern als „Sperrgastein“ in Szene zu setzen, um zum Dialog anzuregen.
Die defekten Bodenplatten sind mit roten Markierungen versehen, die die Visualität einer Sperrfläche aufgreifen. Da die Waschbetonplatten verschiedene Zustände aufweisen, wird das Muster speziell auf jede Platte angepasst. Ein Schilderwald in den Sperrflächen spielt durch eigens ge staltete Piktogramme und Phrasen mit den Assoziationen von Warn- und Hinweisschildern. Die notwendigen Absperrgitter dienen der Verankerung roter Infotafeln. Sie zeigen durch Texte und historische Fotos die Potenziale, die das Kur- und Kongresshaus und der zugehörige Platz einst wie heute noch bergen. Gleiches gilt für das Banner vor dem gegenüberliegenden Haus Austria. Medium sind hier von Otl Aicher gestaltete Piktogramme, wie sie im Kur- und Kongresshaus angewandt wurden.
Das brutalistische Gebäude des Salzburger Architekten Gerhard Garstenauer wurde 1974 eröffnet und markiert den Höhepunkt der damaligen Planung Neues Gastein unter der Leitung von Bürgermeister Anton Kerschbaumer. Ergebnisse der Planung waren auch die Felsentherme, die Liftkugeln in Sportgastein und das Parkhaus am Wasserfall.
Garstenauers Vision war es, einen Treffpunkt für Einheimische und Gäste zu schaffen. Das Dach des Kongresssaals wurde dabei als Dorfplatz ausgebildet, der dem Ort aufgrund der steilen Lage bis dahin fehlte. Ladengeschäfte, das Café Gastein, ein Nachtclub, ein Casino sowie öffentlich zugängliche Dachgärten machten das Gebäude zu einem rund um die Uhr belebten Begegnungsort.
Mit dem Gasteiner Saal schuf man Europas erste Veranstaltungsstätte mit automatisch höhen verstellbaren Bodensegmenten, die eine flexible Nutzung für Kongresse, Konzerte, Theater, Messen und Tanzveranstaltungen ermöglichten. Der 1976 mit dem Salzburger Architekturpreis ausgezeichnete Bau wurde 2007 geschlossen und steht seit 2022 unter Denkmalschutz. Heute fehlt der lebendige Treffpunkt. Die Teilsperrung des Platzes verschärft den Zustand weiter.
Besucher der Installation können nun ihre Träume, Gedanken, Visionen oder Erinnerungen unter dem Titel „Mein Kongress“ auf Papier festhalten und in eine Sammelbox einwerfen. Gastein74 wird die anonymen Beiträge anschließend kommunizieren.
Gastein 74
Kongressplatz | Bad Gastein
2. Juli bis 30. August 2026